Verschleppte Erkältung: "Ist doch nur ein Schnupfen"

Trotz Erkältung gehen viele Menschen oftmals zur Arbeit, obwohl sie eigentlich ins Bett gehören. Zwar sind eine Erkältung oder ein grippaler Infekt keine ernsthaften Erkrankungen, sie sollten aber dennoch nicht verharmlost werden.

Eine Erkältung ist meist nach etwa neun Tagen ausgestanden, vorausgesetzt, man hat sich die nötige Ruhe gegönnt. Ernsthafte Komplikationen können jedoch entstehen, wenn die Erkältungssymptome einfach ignoriert und eine Erkältung verschleppt wird. So kann es z.B. zu einer Super- oder Sekundärinfektion kommen, d.h. wenn auf eine Vireninfektion zusätzlich eine bakterielle Infektion folgt. Da bei einem grippalen Infekt das Immunsystem des Körpers ohnehin geschwächt ist, haben Bakterien oft leichtes Spiel. Als bakterielle Zweitinfektion können so Entzündungen in den Bronchien, Nasennebenhöhlen, Mandeln oder im Mittelohr auftreten. Eine verschleppte Erkältung kann außerdem zu Entzündungen der Lungen, des Herzmuskels oder der Hirnhäute führen. Bei entsprechenden Symptomen sollte daher unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte bei den ersten Anzeichen wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten körperliche Schonung auf dem Programm stehen. Solange kein Fieber auftritt, ist Bettruhe in der Regel nicht unbedingt notwendig. Kurze Spaziergänge an der frischen Luft können sogar hilfreich sein. Wer mindestens zwei Liter pro Tag trinkt, kann die Schleimhäute feucht und abwehrstark halten.

Weitere Hausmittel, um Erkältungen zu lindern, sind Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, Dampf-Inhalationen mit Kamille oder – wenn fieberfrei – ein Erkältungsbad mit ätherischen Ölen. Sind nach einer Woche die Symptome noch immer nicht verschwunden oder kommt Fieber hinzu, sollte das Bett gehütet werden. Fühlt man sich langsam wieder besser, empfiehlt sich weiterhin Schonung und der Verzicht auf zu anstrengende körperliche Aktivitäten. Verschlechtert sich der Zustand jedoch weiterhin oder tritt hohes Fieber auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

LUNGENENTZÜNDUNG

Infolge einer verschleppten Erkältung können Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost, starker Husten, Schmerzen in der Brust und sogar beim Atmen auftreten. Sie können auf eine Lungenentzündung (Pneumonie) hinweisen.

HERZMUSKELENTZÜNDUNG

Viele Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) werden durch Viren ausgelöst, die den Herzmuskel schädigen können. Eine Herzmuskelentzündung verläuft oft unbemerkt und ruft lediglich grippeartige Symptome hervor. Obwohl sie zumeist von selbst ausheilt, kann sie in manchen Fällen für eine dauerhaft reduzierte Pumpfunktion des Herzens verantwortlich sein. Selten kann sie auch zu Herzrhythmusstörungen und tödlichem Herzversagen führen.

HIRNHAUTENTZÜNDUNG

Ist das Immunsystem stark geschwächt, können in seltenen Fällen auch Erkältungsviren über das Blut bis zum Gehirn vordringen. In der Folge kann eine Entzündung der Hirnhäute, in der Fachsprache Meningitis genannt, auftreten. Anzeichen sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und starke Kopfschmerzen. Oft haben Betroffene einen steifen Nacken und können nur unter Schmerzen den Kopf in Richtung Brust beugen.